Jüdische Kultusgemeinde Erlangen



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Juden in Erlangen:

1408 wurden erstmals Juden urkundlich in Erlangen erwähnt, 1478 auch ein Rabbi. Am 26. März 1515 beschloss der markgräfliche Landtag die Ausweisung der Juden. Dies hat vermutlich auch die Existenz der Erlanger jüdischen Gemeinde beendet. Den hugenottischen Einwohnern der Neustadt sicherte Markgraf Christian Ernst 1711 ein Niederlassungs- und Gewerbeverbot für Juden zu. Daher blieb das jüdische Leben auf Erlangens Nachbargemeinden Bruck, Baiersdorf und Büchenbach beschränkt.
Herz Jesu am katholischen Kirchplatz, die erste katholische Kirche in Erlangen * In Bruck lebten seit 1431 Juden, 1604 wird ein „Judenhaus“ erwähnt, das wohl als Synagoge für die noch kleine jüdische Gemeinde von sechs Familien (1619) diente. Nachdem diese aber rasch auf 37 Familien (1763) anwuchs, wurde bereits 1707 eine neue Synagoge errichtet. 1811 zählte die Gemeinde 184 Einwohner (ca. 15 % der damaligen Bevölkerung), 1859 waren es noch 108.
In Baiersdorf erfolgte die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde 1473. Deren Bestand wird aber bereits für eine frühere Zeit vermutet, insbesondere weil die ältesten Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof ins frühe 14. Jahrhundert datiert werden. Dieser Friedhof hatte einen weiten Einzugsbereich bis nach Forchheim und Fürth. Bereits 1530 bestand eine Synagoge, obwohl nach der 1515 beschlossenen Vertreibung der Juden aus der Markgrafschaft nur noch eine jüdische Familie in Baiersdorf lebte. Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wurde die Synagoge 1651 wieder errichtet, die Gemeinde war von neun Familien 1619 auf 83 Familien 1771 angewachsen. Als zweitgrößte jüdische Gemeinde im Markgraftum Brandenburg-Bayreuth war hier auch Sitz des Landesrabbinats. 1827 erreichte die jüdische Gemeinde mit 440 Mitgliedern (30 % der Bevölkerung) ihre größte Mitgliederzahl.
* In Büchenbach gestattete der Bamberger Dompropst 1681 Juden die Niederlassung. Es entstand eine jüdische Gemeinde, die 1811 74 Mitglieder zählte und 1813 eine Synagoge errichtete. 1833 lebten 103 Juden im Ort.
Eine Gedenktafel erinnert an das zerstörte Denkmal Jakob Herz' Das neue Denkmal Jakob Herz aus dem Jahre 1983 1861 führte der bayerische Landtag die allgemeine Freizügigkeit für Juden in Bayern ein. Damit wurde Juden die Niederlassung in Erlangen möglich. Viele jüdische Familien aus den Umlandgemeinden zogen wegen der besseren Perspektiven nach Erlangen, zugleich schrumpften die Gemeinden in Bruck, Baiersdorf und Büchenbach, wo bereits 1874 die Gemeinde aufgelöst wurde. 1867 zählte die neue Erlanger Gemeinde bereits 67 Mitglieder, die am 15. März 1873 zur eigenständigen Kultusgemeinde wurde. Die Brucker Gemeinde ging darin auf. 1891 weihte die Gemeinde einen eigenen Friedhof ein. Dagegen wurde das Rabbinat von Baiersdorf 1894 aufgelöst, nach 1900 lebten in Bruck keine Juden mehr. Der Erlanger Gemeinde gehörten dagegen profilierte Persönlichkeiten wie der Arzt und Ehrenbürger Jakob Herz und die Mathematikerin Emmy Noether an. Ersterem wurde am 5. Mai 1875 ein Denkmal errichtet, das am 15. September 1933 zerstört wurde. Eine Stele erinnert seit 1983 an diesen Vorgang mit der Inschrift: Wir denken an Jakob Herz, dem Bürger dieser Stadt ein Denkmal setzten und zerstörten..
Während der nationalsozialistischen Diktatur verringerte sich bis 1938 die Zahl der Erlanger Juden zunächst von 120 auf 44 Personen. In der Reichspogromnacht wurde der Erlanger Betsaal zerstört, die Synagoge in Baiersdorf abgerissen. Am 20. Oktober 1943 wurde die letzte jüdische Einwohnerin Erlangens ins KZ Auschwitz deportiert. 77 Angehörige der jüdischen Gemeinde Erlangens wurden von den Nazis ermordet. Von den ursprünglichen jüdischen Einwohnern kehrte keiner nach Erlangen zurück. Dennoch wuchs die Zahl der Juden bis in die 1970er-Jahre soweit an, dass der Verleger Shlomo Lewin die Gründung einer neuen Gemeinde plante. Am 19. Dezember 1980 wurde er mit seiner Lebensgefährtin ermordet, vermutlich durch ein Mitglied der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann. Es kam jedoch nie zu einer Verurteilung, da der mutmaßliche Täter Selbstmord beging.[19] Nach diesem Verbrechen blieb die Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde aus. Diese Idee gewann erst durch den Zuzug von jüdischen Auswanderern aus der ehemaligen Sowjetunion neuen Auftrieb.
Am 1. Dezember 1997 entstand in Erlangen wieder eine Israelitische Kultusgemeinde, der im Jahr 2000 300 Mitglieder angehörten. Am 2. April 2000 weihte die Gemeinde einen neuen Betraum ein. Trotz aller offiziellen Erklärungen zur Toleranz tat sich die Stadt Erlangen schwer mit dem Umgang mit der NS-Zeit. Erst 1983 wurden Adolf Hitler und Julius Streicher die Ehrenbürgerschaft aberkannt.

Quelle: wikipedia


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