Juden und Judentum: der jüdische Regisseur und Schauspieler Mel Brooks wird 75 Jahre alt

Der Regisseur und Schauspieler Mel Brooks wird 75 Jahre alt - Spezialist für Genreparodien

Von AP-Korrespondent Stephan Köhnlein

Frankfurt/Main (AP) Erfolg hält jung. Seit mehr als 50 Jahren ist Mel Brooks als Schauspieler, Regisseur

und Produzent im Filmgeschäft aktiv. Zuletzt zwar mit nachlassendem Erfolg, doch seit April sorgt sein Musical «The Producers» am Broadway für Furore. Die Bühnen-Adaption seines Oskar-prämierten Filmes wird von Kritikern bejubelt, mit Auszeichnungen überhäuft und spielt pro Woche etwa 1,1 Millionen Dollar ein. Er fühle sich wieder wie ein Kind, sagte Brooks kürzlich. Trotzdem wird er am 28. Juni 75 Jahre alt.

Mel Brooks heißt eigentlich Melvyn Kaminsky und wurde 1926 als Kind jüdischer Eltern im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Der Vater starb früh, Mel und seine drei Brüder wurden von der Mutter großgezogen. «Ich musste auf mich aufmerksam machen», erinnert er sich. «Wir waren viele, die da aus den Slums herauskommen wollten.» Der kleine, schwächliche Junge merkte schnell, dass er am besten ankam, wenn er witzig war. Das sei seine große Waffe gewesen. «Die anderen konnten mich verprügeln, aber mit einem Witz konnte ich sie zu hysterisch lachenden Bündeln reduzieren.»

Brooks besuchte die Highschool, verdiente sich Geld als Schlagzeuger und sammelte 1938 als Nebendarsteller im Film «Golden Boy» erste Schauspielerfahrung. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Spezialist für Minenentfernung eingesetzt. Später jobbte er wieder als Schlagzeuger, erste Auftritte als Komiker kamen hinzu. 1949 lernte er den amerikanischen TV-Starkomiker Sid Ceasar kennen, für den er acht Jahre lang die Gags schrieb - zusammen mit einem gewissen Woody Allen. Anfang der Sechziger produzierte Brooks eine recht erfolgreiche Schallplattenserie mit seinem Freund Carl Reiner.

Zum Spielfilm kam Brooks 1966 als er mit Zero Mostel und Gene Wilder «The Producers» (»Frühling für Hitler») drehte. Die Komödie handelt vom erfolglosen Broadway-Produzenten Bialystock, der einen Buchhalter dazu überredet, 25.000 Prozent Anteile an einem Musical zu verkaufen, das garantiert ein Flop wird. Mit dem Geld wollen sie sich nach Brasilien absetzen. Sie engagieren einen verrückten Deutschen, der das Musical «Frühling für Hitler» komponiert, in dem Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewinnt. Das Musical wird ein Erfolg. «The Producers» erhielt 1968 einen Oskar für das beste Drehbuch.

In den siebziger Jahren parodierte Brooks, der in seinen Filmen, oft selbst als Darsteller mitwirkte, Kinogenres wie Western (»Der wilde, wilde Westen»), Horrorfilm (»Frankenstein Junior»), Stummfilm (»Silent Movie») oder Hitchcock-Thriller (»Höhenkoller»). Oft waren seine Werke kommerziell erfolgreicher als die Vorlagen.

Ein Verfechter der dröhnenden Posse

Brooks, der russische Literatur und die Philosophen Kant und Schopenhauer schätzt, war nie ein Meister der feinsinniger Eleganz. Stattdessen gilt er als Verfechter des aggressiven Klamauks und der dröhnenden Posse. Kritiker bezeichneten seinen Humor manchmal auch als vulgär oder geschmacklos. Brooks nannte seine Späße vor Jahren selbst derb. Er habe einen New-York-Humor, sagte er, im Schmelztiegel hätten sich jüdische, irische und deutsche Einflüsse vermengt.

In den achtziger Jahren versuchte sich Brooks erfolgreich als Produzent, unter anderem mit David Lynchs «Elefantenmensch» und «Die Fliege» von David Cronenberg. Auch seine Genreparodien führte er mit den Filmen «History of the World - Part I» (Geschichtsfilm) und Spaceballs (Science-Fiction) fort. Seine beiden Versuche in den neunziger Jahren «Robin Hood: Helden in Strumpfhosen» und «Dracula -tot aber glücklich» waren aber nur noch mäßig erfolgreich und erhielten bestenfalls gnädige Kritiken.

Nach mehr als dreißig Jahren hat sich Brooks nun auf sein erfolgreichstes Werk besonnen und «The Producers» dorthin gebracht, wo auch die Handlung spielt - an den Broadway. Für die Zehn-Millionen-Dollar-Produktion überarbeitete er den Film und schrieb 17 neue Songs. Im Mai wurde das Werk als beste Produktion der New Yorker Theatersaison in elf Kategorien mit einem Drama-Desk-Kritikerpreis ausgezeichnet. Anfang Juni erhielt die Produktion zwölf Tonys, die renommierte amerikanische Theaterauszeichnung. «The Producers» löste damit den zehn Mal prämierten Musicalklassiker «Hello Dolly» als erfolgreichste Produktion ab. In einer kurzen Ansprache bei der Preisverleihung gab Brooks dann auch eine kleine Kostprobe seines Humors: «Ich möchte mich auch bei Hitler bedanken - weil er so ein witziger Kerl auf der Bühne war.»

 

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